Gastartikel von Gina

Zuhause

Das Licht im Flugzeug ist gedimmt. Während viele um mich herum versuchen etwas zu schlafen, bekomme ich vor lauter Wirrwarr im Kopf kein Auge zu.

 

Ich schaue in die Gesichter in der Reihe neben mir und frage mich, was einen Menschen dazu bewegt die gewohnte Umgebung, seine Komfortzone oder auch einfach: sein Zuhause, zu verlassen. Und gerade während dieser Gedanke in meinen Kopf ist, wird er schon wieder vom nächsten abgelöst: Zuhause – was ist das überhaupt?

 

Mir kommt ein Artikel aus einem Magazin in den Kopf, in dem der Autor davon spricht, dass unsere Generation gar kein richtiges Zuhause mehr hat. Weil uns die Welt offen steht und wir fast überall dort, wo es uns beliebt, arbeiten und leben können. Im nächsten Moment habe ich einen Song im Ohr, in dem der Sänger mir mit rauchiger Stimme singt, dass Zuhause immer nur „du“ bist.

 

Prompt schickt mir mein übermüdeter Kopf Bilder von Menschen, deren Namen ich statt des DU´s einsetzen könnte. In dem Album vor meinem inneren Auge sind meine Familie und lange und noch nicht ganz so lange, aber dennoch sehr innige Freundschaften, zu sehen. Dies ist jetzt übrigens auch der Zeitpunkt an dem sich mein gut verstauter Abschiedsschmerz nun so langsam aus den Tiefen des Rucksacks, der zu meinen Füßen liegt an die Oberfläche gräbt.

 

Ich denke an meine letzten Wochen in Deutschland zurück und weiß: Zuhause - das war auch immer ein Stück Tanzstudio Hagenow.

 

Ein Stück Zuhause auf das ich mich verlassen konnte. Ob ich nun die Matheklausur in den Sand gesetzt oder die Abiprüfungen geschrieben hatte, ob ich vor lauter Nebenjob und Ausbildung kein Land mehr gesehen habe oder Kopf und Herz vor lauter Gefühlen zu platzen schienen – das Tanzstudio war immer da.

 

 

 

Vielleicht fällt es Außenstehenden manchmal etwas schwer zu verstehen, warum man so viel Zeit, so viel Energie und so viel Emotionen in ein Hobby steckt. Doch, wer einmal mit dem ganzen Herzen dabei war, der weiß, dass das Tanzstudio nicht „nur ein Hobby“, sondern ein Stück Familie – und ja, eben auch ein Stück Zuhause ist.

 

 

Und es ist selbst jetzt für mich immer noch kaum zu glauben, dass ich nach nun 14 Jahren „meinem“ Verein den Rücken kehre und als Mensch, der nur ungern seine Komfortzone verlässt in diesem Flugzeug sitze. Doch manchmal braucht es einen Perspektivenwechsel und diesen einen Moment in dem du weißt „Jetzt oder Niemals“. Und es tut gut mit dem Gedanken gehen zu können, dass es genau wie bei meiner Familie und meinen Freunden kein Abschied für immer sein wird.

 

„Das ist wie jubelnde Menschen – der schönste Augenblick.

Das eine Lieblingslied, das dich immer wieder kriegt.

Einzigartig und bewegend – bis alle Worte fehl‘n.

Es kommt so über dich wie ein Schauer ohne Regen.

Wenn es böse oder schlecht, wenn es gut ist oder echt –

Gänsehaut lügt nie.

Weil du fühlst, weil du lebst

und dein Herz zeigt den Weg.

Gänsehaut lügt nie.“

(Körner feat. Achtabahn – „Gänsehaut“)

 

Meine Lieben, ich danke euch für ganz viele wundervolle Gänsehautmomente!

 

Ich danke euch dafür, dass ihr als Team – egal in welcher Besetzung – immer für mich da wart und wir so viele wunderschöne Erinnerungen miteinander teilen. Und ich danke dir, liebe Jana, für dein Vertrauen und deine Unterstützung.

Ich weiß, dass die kommenden Monate tolle Erlebnisse für euch alle bereithalten und hoffe, dass wir uns in einem Jahr um diese Zeit wiedersehen werden.

 

Bis dahin werde ich bei jedem „unserer Songs“ auch am anderen Ende der Welt an euch denken.

 

Eure Gina

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